Citizen Lab: Ehemaliges EU-Parlamentsmitglied im Rahmen der Spyware-Untersuchung mit Pegasus ins Visier genommen
Citizen Lab berichtet, dass Stelios Kouloglou, ein ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments, während seiner Tätigkeit in einem Ausschuss zur Untersuchung des Missbrauchs kommerzieller Überwachu...
Citizen Lab berichtet, dass Stelios Kouloglou, ein ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments, während seiner Tätigkeit in einem Ausschuss zur Untersuchung des Missbrauchs kommerzieller Überwachungstools in der Europäischen Union wiederholt mit der Pegasus-Spyware ins Visier genommen wurde.
Nach Angaben der in Toronto ansässigen Forschungsgruppe deutet die forensische Untersuchung von Kouloglous iPhone darauf hin, dass das Gerät um den 21. Oktober 2022 sowie erneut am 6. und 7. März 2023 infiziert wurde. Die Forschenden erklärten, dass die Eindringversuche vertrauliche Ausschussunterlagen und interne Diskussionen offengelegt haben könnten. Sie haben die Kampagne bislang öffentlich keiner bestimmten Regierung zugeschrieben.
Der PEGA-Ausschuss, offiziell als Untersuchungsausschuss zur Untersuchung des Einsatzes von Pegasus und vergleichbarer Überwachungs-Spyware bezeichnet, wurde im März 2022 eingerichtet, um mutmaßlichen Spyware-Missbrauch in der Europäischen Union zu untersuchen. Kouloglou gehörte dem Gremium von März 2022 bis Juli 2023 an.
Citizen Lab erklärte, die erste Infektion sei offenbar über eine Zero-Click-Schwachstelle in Apples HomeKit-Software erfolgt, einen Angriffsweg, den Apple später mit iOS 16.3.1 behob. Beide mutmaßlichen Kompromittierungen ereigneten sich, während auf dem Telefon noch iOS 15.5 lief. Die Forschenden stellten außerdem fest, dass Kouloglou zwischen 2023 und 2024 dreimal Apple-Warnungen über mögliche Angriffe mit kommerzieller Spyware erhielt.
Die Gruppe erklärte, ein Hinweis verbinde den Fall mit einer früheren Pegasus-Operation gegen russisch- und belarussischsprachige Journalisten und Aktivisten in Europa. Die Überschneidung betrifft eine bestimmte E-Mail-Adresse, die in der Infektionsinfrastruktur verwendet wurde und nach Ansicht der Forschenden mit einem bestimmten Pegasus-Betreiber in Verbindung gestanden haben könnte. Sie fügten jedoch hinzu, dass der zweite Vorfall im Jahr 2023 entweder denselben oder einen anderen Betreiber betreffen könnte.
Citizen Lab erklärte, der Fall sei bemerkenswert, weil es sich um den ersten öffentlich bekannten Fall handele, in dem ein Mitglied des PEGA-Ausschusses während seiner Beteiligung an der Untersuchung ins Visier genommen wurde. Auch der Zeitpunkt ist bedeutsam: Einer der Eindringversuche ereignete sich während einer Phase intensiver Ausschussarbeit an Entwürfen und Anhörungen, kurz bevor das Gremium seinen ersten Bericht verabschiedete.
Umfassendere Überwachungsbedenken
- Die Ergebnisse verstärken die Besorgnis über den Einsatz von Spyware gegen Abgeordnete, Journalisten, Dissidenten und andere Kritiker.
- Sie verdeutlichen zudem, wie kommerzielle Überwachungstools in mehreren europäischen Ländern eingesetzt werden können.
- Citizen Lab hat kürzlich über weitere Fälle von Spyware- und forensischem Tool-Missbrauch im Zusammenhang mit russischen Behörden und Telekommunikationsinfrastrukturen berichtet.
Der Bericht ergänzt eine wachsende Zahl von Belegen dafür, dass fortschrittliche Überwachungsmöglichkeiten weiterhin bei politisch sensiblen Untersuchungen und grenzüberschreitenden Zielkampagnen eingesetzt werden.
