Neuer DecryptAds-Dienst kartiert die Unternehmen hinter dem Online-Tracking
Ein neuer kostenloser Dienst soll die Untersuchung des Werbe- und Datenerfassungsökosystems erleichtern. DecryptAds analysiert öffentlich zugängliche Branchendateien, um zu zeigen, welche Unternehmen...
Ein neuer kostenloser Dienst soll die Untersuchung des Werbe- und Datenerfassungsökosystems erleichtern. DecryptAds analysiert öffentlich zugängliche Branchendateien, um zu zeigen, welche Unternehmen möglicherweise Werbung ausliefern, Informationen sammeln oder Werbeinventar über Websites, mobile Anwendungen und Connected-TV-Dienste weiterverkaufen.
Der Dienst untersucht kontinuierlich Dateien wie ads.txt, app-ads.txt, buyers.json und sellers.json. Diese Datensätze sollen autorisierte Werbe- und Lieferkettenpartner identifizieren. Ihr Nutzen ist jedoch häufig eingeschränkt, wenn jede Datei isoliert betrachtet wird. DecryptAds gleicht die Datensätze ab, um Beziehungen, Unstimmigkeiten und mögliche Risiken in der Lieferkette zu identifizieren.
Zach Edwards, Chief Research Officer des Dienstes und Threat Researcher bei Infoblox, erklärte, das Projekt solle Untersuchungen zu Datenschutz und Sicherheit unterstützen. Zu den möglichen Einsatzbereichen gehören die Rückverfolgung bösartiger Werbung, die Identifizierung von Adtech-Unternehmen in Ländern mit höherem Risiko sowie die Untersuchung von Netzwerken minderwertiger, KI-generierter Websites und Anwendungen.
Beispiele für offengelegte Daten
Eine Untersuchung von ESPN.com durch DecryptAds identifizierte in den Deklarationen der Website 143 Werbepartner und 19 registrierte Domains von Datenhändlern. Dem Dienst zufolge geben viele dieser Datenhändler an, Standortinformationen zu sammeln, während andere Geräte-Fingerprinting oder sensible personenbezogene Daten als Teil ihrer Aktivitäten aufführen.
DecryptAds hebt außerdem Partner hervor, die mit Ländern verbunden sind, die der Dienst als „Geo-Risiko“-Standorte einstuft, darunter China und Russland, sowie Länder mit engen Verbindungen zu diesen Staaten. In seinem Profil von ESPN.com identifizierte der Dienst mehrere solcher Unternehmen, darunter Between Digital. Das Unternehmen führt eine Adresse in New York auf, wurde vom Dienst jedoch als mit Russland verbunden eingestuft. In dem Artikel wurde berichtet, dass das Unternehmen für Publisher die Abwicklung über die von den USA sanktionierte Alfa Bank anbietet. Between Digital reagierte nicht auf die im Bericht zitierten Anfragen zur Stellungnahme.
Die Profile mehrerer auf das US-Militär fokussierter Nachrichtenseiten führten Between Digital ebenfalls als Werbe- und Trackingpartner auf. Nach Angaben des Dienstes umfassen die Deklarationen des Unternehmens rund 55.000 Websites und weisen es in vielen Fällen sowohl als Publisher als auch als Wiederverkäufer aus – eine Konstellation, die laut Edwards zu Interessenkonflikten führen könnte.
Rechercheunterlagen
Die Funktion „Legal Dossier“ von DecryptAds kann mehrere Minuten benötigen, um Informationen zu Domaininhaberschaft, Registrierungshistorie, Aliasnamen und Verbindungen zu anderen Werbeunternehmen zusammenzustellen. Solche Datensätze können Forschern dabei helfen, scheinbar nicht miteinander verbundene Websites und Anwendungen zu verknüpfen. Die Ergebnisse des Dienstes müssen jedoch weiterhin unabhängig überprüft werden.
